Suchfunktion

Dreijähriges Bachelor-Studium reicht zum Eintrag in die Architektenliste.

Datum: 23.07.2009

Kurzbeschreibung: PRESSEMITTEILUNG vom 23.07.2009

Das hat das Verwaltungsgericht Stuttgart mit Urteil vom 07. Mai 2009 entschieden und die beklagte Architektenkammer Baden-Württemberg dazu verpflichtet, den Kläger in die Architektenliste einzutragen (Az.: 4 K 3280/08).
Mit dem Eintrag in die Architektenliste wird das Recht erworben, die Berufsbezeichnung „Architekt“ zu führen.

Der Kläger schloss im Februar 2007 erfolgreich ein Architekturstudium an einer Fachhochschule nach drei Jahren mit dem Bachelorzeugnis ab. Seinen Antrag, ihn als Architekten (hier: als Architekt im Praktikum) in die hierüber geführte Liste bei der Architektenkammer einzutragen, lehnte diese im Juni 2008 ab. Zur Begründung führte die Architektenkammer aus, ein nur dreijähriges Studium reiche nicht als Nachweis eines Studienabschlusses im Sinne des Architektengesetzes des Landes Bad.-Württ. aus;  hierfür sei ein vierjähriges Vollzeitstudium erforderlich. Auch nach der europarechtlichen Richtlinie über die Anerkennung von Berufsqualifikationen seien vier Studienjahre Mindestvoraussetzung.

Die 4. Kammer des Verwaltungsgerichts führte aus:

Der Kläger habe einen Anspruch auf die begehrte Eintragung in die Architektenliste. Er besitze die Berufsbefähigung nach dem Architektengesetz. Denn sein erfolgreich abgeschlossenes Bachelor-Studium in Architektur reiche hierfür nach den landesrechtlichen Bestimmungen aus. Auch der Bachelorabschluss sei im Sinne des Landeshochschulgesetzes der Regelabschluss eines Hochschulstudiums. Die europarechtliche Richtlinie regle (nur) die Voraussetzungen für die Anerkennung einer im Ausland durchgeführten Architektenausbildung im Inland; unmittelbare Anforderungen an die Ausgestaltung der nationalen Eintragungsvoraussetzungen würden in der Richtlinie dagegen nicht geregelt. Ein vierjähriges Vollzeitstudium zu verlangen sei auch nicht mit dem Vertrauensschutz von Absolventen der neuen Studiengänge vereinbar. Wer sich im Vertrauen auf die geltenden Regelungen einer berufsqualifizierenden Bachelorausbildung unterziehe, dürfe nach deren Abschluss vor der Aufnahme des angestrebten Berufs allenfalls dann vor zusätzliche Hürden gestellt werden, wenn sich diese zu Beginn der Ausbildung klar abzeichneten. Dies sei hier aber nicht der Fall gewesen.

Die Kammer hat die Berufung  wegen grundsätzlicher Bedeutung der Rechtssa-che zugelassen.

Fußleiste